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Jeder spricht vom Golf. Auch, dass der Boom in der Bundesrepublik Deutschland durch die Spielerfolge Bernhard Langers ausgelöst sei. Das ist sicherlich einer der Gründe. Der entscheidende jedoch dürfte sein, dass sich die Lebensverhältnisse hierzulande golfgünstig entwickelt haben. Wir haben mehr Freizeit bei vollem Lohnausgleich, ein wesentlich gesteigertes Gesundheits- und Körperbewusstsein sowie höhere ökologische Ansprüche an den Rahmen, in dem unsere Sport- und Freizeitaktivitäten ablaufen sollen – alles Voraussetzungen, die Golf in unserem Lande entschieden den Weg ebnen.
Dennoch dürfte es viele erstaunen, dass in Deutschland lediglich 0,52% der Bevölkerung Golf spielen. In der Schweiz und in Österreich ist es kaum anders. Dort sind es 0,61 bzw. 0,92 %. Selbst die relativ starke Zunahme der Clubmitglieder in den letzten Jahren macht sich in Relation zur Gesamtbevölkerung nur wenig bemerkbar. Im Jahre 2002 gab es in Deutschland 428 076 organisierte Golfspieler, in der Schweiz 42 799 und in Österreich 65 353. Doch die Zeiten können sich ändern. Eine repräsentative Umfrage des EmnidInstituts beispielsweise in Ost- und Westdeutschland unter 1500 Befragten brachte es auf den Punkt: Golf ist im Aufwärtstrend. Die gestellte Frage lautete: Welche Sportarten werden in den nächsten Jahren an Bedeutung und Anhängern zunehmen? Mit 24 % rangiert der Golfsport ganz weit oben in der Skala. 42 % gaben allerdings Wandern und 32 % Spazierengehen an, was durchaus hoffen lässt, gilt doch Golf nach Mark Twain als verdorbener Spaziergang.
Hier lässt sich mit Fug und Recht auf ein enormes Interessenpotenzial schließen, wenn auch hinsichtlich des Liebäugelns und des tatsächlichen Verhaltens eine deutliche Diskrepanz unterstellt werden muss. Nicht Golf spielen damit zu rechtfertigen, dass man in keinem Club mehr Aufnahme finde, entspricht nicht den Tatsachen. 2002 gab es in Deutschland 633, in der Schweiz 80 und in Österreich 121 Golfplätze. Etwa ein Viertel davon ist noch aufnahmefähig.

Es ist richtig, dass bei den traditionsreichen Clubs eine lange Schlange von Antragstellern vergebens um Aufnahme bittet. Die renommierten Clubs sind restlos überfüllt. Dafür aber stehen den Interessenten bei vielen neuen Anlagen die Türen weit offen, nicht zuletzt deshalb, weil vielerorts über Neumitglieder der Platz- und Clubhausbau finanziert wird. In der Regel werben die Clubs mit speziellen Angeboten. Jahresmitgliedschaften und Schnupperkurse sind da in erster Linie zu nennen. Schnupperkurse, bei denen man den Sport durch Golflehrer von allen Seiten kennen lernt, sind hervorragend geeignet, um festzustellen, ob überhaupt und wieweit man sich auf das Wagnis Golf einlassen will. Die »Vereinigung clubfreier Golfspieler (VcG) ist eine vor allem preisgünstige Einstiegsvariante. Bei der Wahl, welchem Club man nun beitreten soll, ist – von speziellen Gründen einmal abgesehen – die geografische Nähe das wichtigste Entscheidungskriterium. Nur wer nicht allzu weite Anfahrtswege hat, kann sich der Verbesserung seines Spiels in der notwendigen Weise widmen.
Bundesweit befinden sich derzeit schätzungsweise 50 Neuanlagen in Planung. Für die Genehmigungsverfahren wirkt sich positiv aus, dass Golf vom Deutschen Städtetag als öffentlich förderungswürdig anerkannt wurde, und auch, dass eine der agrarpolitischen Zielsetzungen die Stilllegung landwirtschaftlicher Nutzflächen ist. Mit kontinuierlicher Zunahme der Golfanlagen in der Bundesrepublik ist also in Zukunft durchaus zu rechnen.
3ss.de

